Deutsche Messe AG
Die Deutsche Messe AG migriert SAP-Betrieb von SPARC/Solaris auf Intel/Linux
Immer häufiger wird Linux als Alternative zu klassischen Unix-Derivaten im SAP-Betrieb diskutiert. Ein Migrationsprojekt bei der Deutschen Messe AG beweist, dass ein Wechsel unter dem Strich deutliche Kostenvorteile - insbesondere bei der Hardware-Auswahl - bewirken kann.
Leistung erhöht, Kosten gesenkt
"Linux ist mittlerweile auch für Unternehmenslösungen eine reife, stabile Umgebung, deren Einsatz sich gut kalkulieren lässt!" Marcus Kleen, bei der Deutschen Messe AG, für die Administration von SAP-Lösungen verantwortlich, weiß, wovon er spricht. Und der IT-Fachmann kann seine Aussage belegen. Seit Mitte Juni sind bei der Hannoveraner Messegesellschaft die betriebswirtschaftlichen SAP-Anwendungen auf dem Linux-Betriebssystem und Intel-Server "live".
Im Vergleich zur bisherigen Plattformumgebung profitiert man bereits heute von einer höheren Leistung bei 65% geringeren Investitionen und erheblich reduzierten Betriebskosten als Folge der Migration. Die gleichzeitige Harmonisierung der Systemlandschaft auf einheitliche Release-Stände ist ein zusätzlicher positiver Effekt.
Der Auslöser des Migrationsprojekts bei der Deutschen Messe AG war recht unspektakulär. Die zuvor eingesetzte Systemplattform im SAP-Betrieb - mit Solaris ausgestattete SPARC-Server - war einfach in die Jahre gekommen.
Außerdem hatte die Umgebung im Laufe der Zeit an Heterogenität gewonnen, da einzelne Systemkomponenten, wie beispielsweise das Betriebssystem und Datenbankmanagementsystem für die verschiedenen SAP-Komponenten, unterschiedliche Releasestände besaßen.
Da der Abschreibungszeitraum zum Gutteil ausgeschöpft war und die Standardwartung auszulaufen drohte, starteten die Verantwortlichen in Hannover Mitte 2008 erste Überlegungen zur künftigen Ausgestaltung der Systemlandschaft. Im Dialog mit SAP-Experten der Lynx-Consulting GmbH kam die Sprache des Öfteren auf Linux und Intel-Hardware als potenzielle Plattformkombination. Die Bielefelder IT-Beratung hatte in der Vergangenheit einschlägige Migrationen erfolgreich durchgeführt. Zudem hatte der Messeveranstalter eigene positive Erfahrungen mit Linux im Segment der Web-Anwendungen gemacht.
Um an dieser Stelle über eine belastbare Entscheidungsgrundlage zu verfügen, entschied die Deutsche Messe AG, eine Vorstudie zu erstellen. Die Lynx-Consulting GmbH ermittelte zunächst den aktuellen und künftigen Bedarf und richtete gleichzeitig den Blick auf Anwendungswünsche und technische Anforderungen, wie zum Beispiel die globale Unicode-Unterstützung. Als potenzielle Zielplattform orientierte sich die Analyse ausschließlich an Sun Solaris - basierend auf SPARC - sowie Linux in der 64 Bit-Variante für x86-64 Prozessoren.
„Wir verfügen in der eigenen Organisation über eine ausgewiesene Unix-Expertise“, erklärt Marcus Kleen die Einschränkung bei den Systemplattformen. Aus dem gleichen Grund galt Oracle bei der Wahl des Datenbankmanagementsystems als gesetzt. Lediglich Aufwand und Auswirkungen, die eine Homogenisierung der Datenbankversion auf Oracle 10g sowie die geplante einheitliche Unicodeunterstützung bewirken, mussten beachtet werden.
An dem prinzipiellen Aufbau der SAP-Infrastruktur waren ansonsten keine Änderungen vorgesehen. Sie sollte zur Unterstützung der Anwendungen auch weiterhin drei Dreisystemlandschaften und eine Zweisystemlandschaft umfassen. Aus Gründen der Verfügbarkeit sind die produktiven Systeme, einschließlich des SAN-Speichersystems, darüber hinaus in einem über zwei Rechenzentren verteilten Cluster zu betreiben.
Als Benchmark für die Leistungsfähigkeit der Server wurde der „SAP Application Performance Standard“ (SAPS) herangezogen. Dabei wurde angenommen, dass die zum Zeitpunkt der Untersuchung genutzten Systeme zu 100 Prozent ausgelastet waren. Für die Wahl der neuen Server galt es demnach, die zusätzlichen Anforderungen der Umstellung auf Unicode und des technischen Upgrades der SAP-Komponenten einzupflegen. Bereits in der Vorstudie konnte Lynx belegen, dass das geforderte Leistungsgerüst aktuellen Intel/AMD-basierenden Servern keine Probleme bereitet.
Die Kennziffern zu Auslastung, Leistungsfähigkeit und erwartetem Wachstum der Vorstudie nutzte die Deutsche Messe AG als Grundlage, um Angebote verschiedener Hersteller für beide Zielplattformen einzuholen und zu vergleichen. „Es zeigte sich schnell, dass Linux auf Intel eindeutig die kostengünstigere Alternative ist“, berichtet Marcus Kleen. Im Vergleich zu den bisherigen Systemen bot eine Linux-/Intel-Plattform die vierfache SAPS-Leistung zu einem Drittel der damaligen Kosten. Der Kostenvorteil hat auch bei aktuellen SPARC-Servern mit vergleichbarem Leistungsniveau Bestand.
Mit Blick auf die Gesamtkosten und einer ROI-Berechnung müssen natürlich noch Aufwand und Investitionen für die Plattformmigration Richtung Linux in die Kalkulation einfließen. Da sich das Betriebssystem verändert, handelt es sich nach SAP-Einordnung um eine heterogene Systemkopie, die sowohl den Einbezug des kostenpflichtigen Migration Services von SAP als auch eines zertifizierten Migrationsberaters erfordert. Demgegenüber stehen Kosten und Aufwand für die Plattformmigration in Verbindung mit der ohnehin anstehenden Unicodeumstellung. Das technische Verfahren beider Migrationen basiert auf vergleichbarer Grundlage. Sie können daher in einem Projekt zusammengefasst werden.
Um möglichst große Synergieeffekte zu erwirken, bündelte die Deutsche Messe alle Anforderungen an eine zukunftsträchtige Plattform und stellte mit Unterstützung von Lynx einen umfassenden Projektfahrplan für die Migration auf. Für technische Spezialaufgaben, wie das Aufsetzen der Linux-Server einschließlich der Anbindung des SAN-Speichersystems oder ABAP-Anpassungen von Eigenentwicklungen, sicherte man sich der Unterstützung von Spezialisten. Die Bielefelder IT-Beratung Lynx, die bereits in früheren Projekten bei der Messe ihre Kompetenz bei betriebswirtschaftlichen Anwendungen unter Beweis stellen durfte, wurde mit der Umsetzung aller SAP-bezogenen Teilaufgaben betraut. Diese umfassten im Einzelnen
- die Migration von Solaris 10 nach Linux SLES 10,
- die Unicode-Migration für die SAP-Anwendungen CRM, ERP und Business Warehouse (BW),
- Migration Record Management,
- das Upgrade für BW 3.5 auf BW 7.0,
- die Neu-Installation des Java-basierenden BI-Portals,
- Installation und Migration auf Business Connector 4.8,
- Einführung des Solution Managers einschließlich der Migration der Zentralen Benutzerverwaltung in den Solution Manager.
Nachdem die Hardware in den Räumen der Messegesellschaft aufgestellt war, begann Mitte Februar unter der fachlichen Leitung von Marcus Kleen von der Deutschen Messe und Jessika Kringel von Lynx ein Team aus Lynx-Beratern und Mitarbeitern der SAP-Betriebsgruppe bei der Deutschen Messe mit der Installation der SAP-Anwendungen.
„Die Zeitspanne bis Mitte Juni mutet für eine technische Migration vielleicht etwas üppig an. Aber angesichts der Großereignisse CeBIT und HANNOVER MESSE wollten und durften wir kein Risiko bei unseren Anwendungen eingehen“, erläutert Marcus Kleen. Konkret führte diese Überlegung dazu, dass die Migration des Record Managements vorgezogen wurde. Die Einführung und Umstellung auf das neue BW-Release startete dagegen erst nach den Messen, um den Betrieb nicht zu stören.
Die Projektdurchführung selbst orientierte sich an dem bewährten Vorgehen bei SAP-Migrationen mit den Phasen Entwicklung, Funktions- und Integrationstest sowie Transformation in die Produktivumgebung. „Der erfreuliche Projektverlauf ist auch Ausdruck einer sorgfältigen Planung einschließlich der Vorstudie“, erläutert Jessika Kringel.
Bereits sehr früh konnte man sich so den Koordinierungsarbeiten im Rahmen der Unicodeumstellung widmen. Die Planung aller Arbeiten in einem Wurf bewirkte an vielen Stellen erfreuliche Synergien beispielsweise in Sachen Testaufwand. Da während der Migration die „Altsysteme“ weiterhin ihren Dienst versahen, war auch zu keiner Zeit der Betrieb belastet. Das schrittweise Überführen der neuen Server in die Produktion konnte, allgemein ausgedrückt, am Wochenende gefahrlos durch Umsetzen der IP-Adressen bewerkstelligt werden. Bei Problemen hätte man einfach wieder die SPARC-Systeme produktiv setzen können.
Probleme gab es aber nicht! Im Gegenteil – seit dem Going Live der ERP- und CRM-Anwendung Mitte Juni profitieren die Nutzer von der neuen SAP-Infrastruktur. „Die Leistung hat um ca. 50 Prozent zugelegt“, berichtet Marcus Kleen aus ersten Betriebserfahrungen. Ebenso erfreut den SAP-Basis-Spezialisten, dass die Leistungs- und Einsparversprechen aus der Lynx-Vorstudie den Realitätstest bestanden.
Da die neue Hardware durchweg bescheidenere Ansprüche an Platz und Energie stellt, lässt sich auch bei diesen Punkten im Vergleich zur bisherigen Lösung bis zu 50 Prozent der Kosten einsparen. Unter dem Strich, ist Marcus Kleen überzeugt, wird sich der Schritt Richtung Linux und Intel als SAP-Plattform innerhalb eines Jahres für die Deutsche Messe mehr als auszahlen.
Deutsche Messe AG
Mit einem Umsatz von 222 Mio. Euro im Jahr 2009, weltweit mehr als 850 Beschäftigen, Mitarbeitern in mehr als 100 Nationen, einem hochflexiblen Messegelände mit rund 1 Million Quadratmetern Fläche und einer hervorragenden Infrastruktur nimmt die Deutsche Messe Hannover eine Spitzenstellung unter den weltweit führenden Messegesellschaften ein.
Die Deutsche Messe entwickelt, plant und führt Messen und Ausstellungen im In- und Ausland durch.
Sie verfügt über ein umfangreiches Know-how und Erfahrungspotenzial in der Planung und Abwicklung von jährlich rund 100 Messen und Ausstellungen im In- und Ausland mit mehr als 23.000 Ausstellern, mehr als zwei Millionen Besuchern und 15.000 Journalisten aus mehr als 100 Ländern.

