DORMA Holding GmbH & Co. KGaA
Vertrieb und Einkauf gestrafft - mit Web-Services und SAP NetWeaver
"Die vollelektronische Bestellung macht unseren Kunden das Leben leichter. Und das zeigt sich in den Vertriebszahlen. Ein Drittel unserer Aufträge für die Glas-Division läuft bereits über diesen Kanal."
Dr. Siegfried Lauer, Bereichsleiter IT und Organisation, DORMA
DORMA ist ein internationaler Systemanbieter von Produkten rund um die Tür. In den Bereichen Türschließtechnik, mobile Raumtrennsysteme und bei automatischen Türsystemen ist das Unternehmen Weltmarktführer. Wesentliche Produktionsstätten liegen in Europa, Singapur, Malaysia, China sowie Nord- und Südamerika. Mit 6.100 Mitarbeitern erwirtschaftete DORMA im Geschäftsjahr 2004/2005 einen Umsatz von 700 Millionen Euro, eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr um 7,8 Prozent.
Damit die Unternehmensgruppe auch weiterhin auf Wachstumskurs bleibt, setzt DORMA auf die kontinuierliche Weiterentwicklung seiner IT-Landschaft. Dabei legte man den Schwerpunkt bislang auf die durchgängige Prozessunterstützung in den einzelnen Tochtergesellschaften. Während diese vertikale Integration inzwischen recht weit fortgeschritten ist, erfolgte die Zusammenarbeit mit Lieferanten und Kunden bislang noch überwiegend papierbasiert. Die betriebswirtschaftlichen Potenziale, die sich aus der weltweiten Vernetzung des Einkaufs sowie aus der automatisierten Zusammenarbeit mit Lieferanten und Kunden ergeben könnten, blieben weitgehend ungenutzt.
Um dies zu ändern, benötigen die IT-Verantwortlichen von DORMA eine geeignete Integrationsplattform. „Für uns war klar, dass wir die horizontale Integration voranbringen mussten. Dabei wollten wir unsere Kunden und Lieferanten nicht direkt ins SAP-System einbinden, sondern über eine Middleware“, berichtet Dr. Siegfried Lauer, Bereichsleiter IT und Organisation bei DORMA. Die IT-Experten verglichen Middleware-Produkte von IBM, Microsoft und SAP. Weil die IT-Landschaft von DORMA bereits durch SAP-Anwendungen geprägt ist und "Heterogenität immer Kosten verursacht", so Lauer, entschied man sich für eine Testinstallation von SAP NetWeaver Exchange Infrastructure (SAP NetWeaver XI), einer Komponente der Integrations- und Technologieplattform SAP NetWeaver.
Direkte Kommunikation der Systeme
Damit sollte zunächst eine durchgängige Unterstützung für die Beschaffung von Büro- und Instandhaltungsmaterial realisiert werden. Das Pilotprojekt startete Anfang 2004. Mit Unterstützung von SAP Consulting konnte DORMA innerhalb von zwei Monaten einen durchgängigen Informationsfluss zwischen seinem SAP-System und dem ERP-System eines Lieferanten realisieren. Angestoßen wird der Prozess durch eine Bestellanforderung, die im SAP-System abgelegt wird. Von dort wird eine Order im IDOC-Format an SAP NetWeaver XI übermittelt. Die Integrationslösung reicht diese im XML-Format ans ERP-System des Lieferanten weiter.
Die Rechnung nimmt den umgekehrten Weg: SAP NetWeaver XI empfängt sie als XML-Nachricht und übergibt sie im IDOC-Format ans SAP-System von DORMA. "Die Schaltstellenfunktion von SAP NetWeaver XI ist für uns sehr vorteilhaft", kommentiert Dr. Lauer. "Damit können wir die Zusammenarbeit mit den Lieferanten zentral überwachen und steuern. Fehler und Verzögerungen werden schnell erkannt, die Beschaffung wird effizienter." Hinzu kommt, dass die Beschaffung vollkommen papierlos abgewickelt wird und der bisherige Erfassungsaufwand entfällt.
Unmittelbar ergebniswirksam
"Mit SAP NetWeaver koordinieren sich unsere Einkäufer global und Lieferanten aus aller Welt treten in direkten Wettbewerb zueinander. Jetzt haben wir ein ganz anderes Spiel und das ist ergebniswirksam."
Dr. Siegfried Lauer, Bereichsleiter IT und Organisation, DORMA
Auch den strategisch bedeutsamen Einkauf von Produktionsmaterialien unterstützt DORMA mit SAP NetWeaver. Den Collaboration-Funktionalitäten von SAP NetWeaver Portal kommt dabei die Aufgabe zu, die weltweite Koordination der Beschaffung zu erleichtern. Die Implementierung wurde Ende 2004, nach acht Monaten Projektdauer, abgeschlossen. Seitdem greifen Einkäufer in aller Welt auf globale Bedarfszahlen zu, die über SAP NetWeaver XI aus den lokalen SAP-Systemen zusammengeführt werden. In Collaboration-Rooms informieren sich die Einkäufer über potenzielle Lieferanten und stimmen ihr Vorgehen ab. Die Einkaufsangebote werden dann in eine elektronische Auktionsplattform gestellt, die von DORMA selbst entwickelt wurde.
„Die Einkäufer sind begeistert von SAP NetWeaver Portal. Sie kommunizieren über Kontinente hinweg in Echtzeit und entwickeln ein gemeinsames Verständnis ihrer Arbeit", berichtet Dr. Lauer. Um dieses Verständnis zu fördern, bringt DORMA die Einkäufer nicht nur virtuell zusammen, sondern organisiert jedes Jahr eine weltweite Einkaufskonferenz. "Die Unterstützung des Einkaufs hat für uns strategische Bedeutung. Mit SAP NetWeaver koordinieren sich unsere Einkäufer global und Lieferanten aus aller Welt treten in direkten Wettbewerb zueinander. Jetzt haben wir ein ganz anderes Spiel und das ist unmittelbar ergebniswirksam", so Dr. Lauer.
Doch nicht nur im Einkauf, auch im Vertrieb treibt DORMA die horizontale Vernetzung voran. Angefangen hat es mit einem Internet-Shop. Den besuchen die DORMA-Kunden, füllen dort eine Bestellmaske aus und senden diese über eine sichere Internet-Verbindung an den DORMA-Server. Kleineren Kunden reicht dieser Automatisierungsgrad. Für Unternehmen mit einem eigenen Warenwirtschaftssystem ist dies weniger attraktiv. Denn sie müssen die Bestellung zweimal anlegen: in ihrem System und im Internet-Shop. Und wenn der Shop Daten zurücksendet, sind diese ebenfalls ins System zu übertragen.
Für diese Aufgabe entwickelte DORMA Web-Services, die aus einem in der Flachglasbranche weithin genutzten Auftragsbearbeitungssystem aufgerufen werden. Über eine verschlüsselte Datenverbindung, auf Basis des internationalen Industriestandards SOAP (Simple Object Access Protocol), kann das System des Kunden direkt an die Web-Services andocken. Diese sind in einer eigenen "demilitarisierten" Zone (DMZ) gespeichert und reichen die Bestellungen über eine HTTPS-Verbindung an SAP NetWeaver XI weiter. Von dort gelangen sie dann ins mySAP ERP-System von DORMA.
Fertig gestellt wurde das Service-basierte Bestellsystem im April 2005. Daraus ergeben sich für DORMA-Kunden eine Reihe von Vorteilen: Verzögerungen und Fehler aufgrund papierbasierter Prozessschritte entfallen. Alle benötigten DORMA-Produktdaten sind jederzeit aktuell verfügbar. Die Bestellung geht unverzüglich bei DORMA ein und der Kunde erhält sofort die Auftragsbestätigung. Außerdem kann dieser den Status der Auftragsbearbeitung im Internet verfolgen. "Die vollelektronische Bestellung macht unseren Kunden das Leben leichter. Und das zeigt sich in den Vertriebszahlen", berichtet Dr. Lauer. "Ein Drittel der Aufträge in der Glas Division läuft bereits über diesen Kanal."
Intelligente IT-Strategie
Um die Vertriebsergebnisse auszuwerten, nutzt DORMA eine weitere SAP NetWeaver-Komponente: SAP NetWeaver Business Intelligence. Damit analysiert der Hersteller von Glastürenbeschlägen, wie die Verkaufszahlen von Produktmerkmalen, Kundengruppen, Vertriebsregionen und Vertriebsmitarbeitern abhängen. Auch neue Trends und Muster im Kundenverhalten will man mit SAP NetWeaver Business Intelligence aufspüren. Doch damit nicht genug: Der Einsatz der Analyse- und Auswertungsplattform wird weiter ausgebaut, um zum Beispiel das Reporting unternehmensweit zu konsolidieren.
"Die Schaltstellenfunktion von SAP NetWeaver XI ist für uns sehr vorteilhaft. Damit können wir die Zusammenarbeit mit den Lieferanten zentral überwachen und steuern."
Dr. Siegfried Lauer, Bereichsleiter IT und Organisation, DORMA
Außerdem entlastet SAP NetWeaver Business Intelligence die transaktionalen Systeme, die einen stetig wachsenden Automatisierungsgrad schultern müssen, von rechenintensiven Analyse- und Reporting-Aufgaben. Und dieser Effekt liegt ganz auf der Linie der IT-Strategie. Denn DORMA setzt auf eine modulare IT-Architektur. Dabei werden die eigentlichen Geschäftsprozesse von spezialisierten SAP-Anwendungen unterstützt, während generische Aufgaben wie Anwendungsintegration, interne und externe Kommunikation sowie Datenauswertung von der Technologieplattform SAP NetWeaver übernommen werden.
Mit der auf Anpassungsfähigkeit ausgerichteten IT-Strategie will DORMA nachhaltiges Umsatz- und Gewinnwachstum ermöglichen und gleichzeitig die IT-Gesamtbetriebskosten begrenzen. Das ist dem Unternehmen in den letzten Jahren auch gelungen, wie Dr. Lauer bestätigt: "Der Umsatz ist Jahr für Jahr gestiegen. Aber das Verhältnis Umsatz zu IT-Kosten ist konstant geblieben."
Die DORMA Gruppe
DORMA, als internationaler Systemanbieter in den Bereichen Türschließtechnik, mobile Raumtrennungssysteme und Glasbeschlagtechnik Weltmarktführer, ist auch bei automatischen Türsystemen Weltspitze. In der Sicherungstechnik bei Zeit- und Zutrittskontrolle ist DORMA Deutschlands Nr. 1 in der Flucht- und Rettungswegtechnik.
Die international operierende Gruppe mit Hauptsitz in Ennepetal und mit Produktionsstätten in Europa, Singapur, Malaysia, China sowie Nord- und Südamerika umfasst 69 Gesellschaften in 45 Ländern und beschäftigt weltweit rund 6.500 Mitarbeiter.
Als eines ihrer Servicezentren ist das SSC IT der interne IT-Dienstleister, der u.a. den weltweiten SAP-Betrieb der Gruppe verantwortet.


